Monika Baumgartner - Eröffnungsrede

Ausstellung Monika Baumgartner am 4.08.07

galerie all arts

Text: Axel Strothmann copyright VG Wort

Meine Damen und Herren, liebe Freunde, liebe Frau Baumgartner,

ich freue mich über die neue Ausstellung und darüber, dass die Zahl unserer Besucher so stark zugenommen hat.

Ich möchte nun näher auf die hier gezeigten Arbeiten eingehen, ohne Ihnen jedoch die Mühe abzunehmen, sich ihr eigenes Bild zu machen.

Es hat lange gedauert,bis die Künstlerin mit ihrer eigenen Hängung zufrieden war, immer wieder wurde neu geordnet und ausprobiert und in dieser Zeit wuchs bei mir der Gedanke, dass es für Betrachter spannend sein müßte einem solchen Prozeß einmal zusehen zu können.

Es ist nämlich keineswegs so , dass viele Bilder eine Ausstellung machen , letztlich ist die Hängung entscheidend.

Hier nun sind es tatsächlich viele Bilder und diese sind sich sehr ähnlich , besonders in den kleinen Formaten.

Das Prinzip der Serie , das so viele Künstler beschäftigt wird hier vorgeführt auf eine Weise , die dem Betrachter die Wahl nicht leicht macht.

Dies ist das Erste , was diese Arbeiten auszeichnet:eine Auseinandersetzung mit dem Serienprinzip, die von jedem einzelnen Bild verlangt, sowohl Bestandteil des Ganzen, als auch ein ganz und gar Individuelles zu sein.

Dies verlangt gleichbleibend hohe Qualität und sorgfältige Auswahl, denn wenn auch nur ein Bild aus der Reihe tanzt, stört dies , wie ein falscher Ton.

Es ist sicherlich der Zusammenhang mit der Ausbildung und Tätigkeit als Musikerin , der die Verbindung von Spontanität und Disziplin und das ständige Streben nach Vollkommenheit schafft.

Musiker haben ja nicht die Möglichkeit der Korrektur , wie die Maler , Musik erklingt, richtig oder falsch und ist dann verklungen und der bleibende Eindruck ist der an die Aufführung.

Die Bilder bleiben, sie hängen und können immer wieder betrachtet werden und man kann sich entscheiden.

Ein bleibender Eindruck entsteht hier erst langsam .

Betrachtet man diese Bilder zunächst einmal noch als Ganzes , ohne einzelne hervorzuheben , dann haben wir es mit einer sehr schwierigen kunsthistorischen Frage zu tun.

Es ist die nach dem Stil.Gibt es einen Stil, einen persönlichen, oder lassen sich die Arbeiten einem vorhandenen Stil zuordnen?

Es ist wichtig von Stil zu reden, weil dieser Begriff nicht von der Bedeutung von Bildern ausgeht , sondern allein von deren sichtbaren Elementen.

Stimmen diese in großer Zahl überein , so wie es hier der Fall ist, handelt es sich um einen persönlichen Stil.

Diesen erreicht zu haben macht die Reife von Malerei aus , er ist die Reifeprüfung.

Die Elemente in der Malerei von Frau Baumgartner , die uns als Erstes ins Auge fallen sind die Farben, erdige, grau und schwarz-weiße aber auch kräftiges Rot und selten und dann sehr auffallend, strahlendes Gelb.

Es handelt sich um Collagen , das Element des Montierens und Klebens , des Experimentierens in vorgegebenem Rahmen und Format ist durchgehend und stilbestimmend.

Was mich aber am Meisten beeindruckt ist die Oberfläche der Bilder , dieses Strahlen , das aus der Verwendung eines bestimmten Firnis entsteht und das letztlich die Verbindung schafft zwischen Oberfläche und Bildinhalt.

Dies ist, ich habe das schon häufig an dieser Stelle erläutert, die jüngste Betrachtung von Kunst.Die Wirkung geht von der Oberfläche aus, der Inhalt muß etwas in uns bewirken.

Leider ist es so, dass Erzählungen uns schnell langweilen, narrative Bilder oder solche , die etwas abbilden lassen auf Dauer in ihrer Wirkung nach.

Abstrakte Bilder dagegen erzählen nur von den Dingen , die wir im Bild auch wirklich sehen.

Und wir sehen Farben und Formen , die von der Künstlerin als Sprache genutzt werden , mit der sie uns etwas mitteilen kann.

Diese Sprache aber wird nicht übersetzt in das uns geläufige Deutsch, sondern bleibt als Bildsprache erhalten.

Wieweit ein Betrachter diese Sprache versteht , entzieht sich der Kenntnis der Künstlerin und genau dies ist ein Zeichen für die besondere Qualität dieser Bilder.

Sie sind nicht für einen bestimmbaren Kreis von Kennern gemalt , auch nicht für Menschen, deren Erwartungen damit genau erfüllt werden , sie sind einfach Ausdruck des künstlerischen

Empfindens.

Wie die Künstlerin dieses umsetzt, zeigt sich besonders in den gleichformatigen Bildern in dem Regal.

Ist das ein Wald oder sind das Bäume , die zusammen einen Wald ergeben.

Nun ich habe gesehen, wie diese Zusammenstellung entstand, es sind Bäume , die zu einem Wald zusammengestellt sind.

Der Vergleich paßt eigentlich ganz gut , die Serie wird zu einem Ganzen und weil jedes einzelne Bild etwas Besonderes ist , wirkt das Ganze nicht monoton sondern komplex und interessant.

Es gibt einen anderen Vergleich und der ist mir in den letzten Tagen eingefallen.

Auf diesen Bildern sind immer wieder Strukturen zu finden , die an Pflanzen erinnern.

Wie in einem Garten geht es nun darum , Vielfalt von Strukturen herzustellen , das bedeutet , Pflanzen nicht allein nach der Farbe ihrer Blüten auszusuchen , sondern nach unterscheidbaren Größen und Blattformen.

Der Künstlerin glückt dies auf eine sehr beeindruckende Weise , die Vielfalt ist mehr als die Variation eines Themas , sie schafft vielmehr immer neue Themen.

Und sie schafft auch andere Themen , solche , die aus der Serie ausbrechen , obwohl die Künstlerin die gleichen Mittel einsetzt.

Zwei Motive fallen auf: Figuren und Architektur.

Ich beginne mit der Brücke , ein Bild , das mir selbst besonders gut gefällt.

Hier haben wir ein scheinbar banales Motiv , aber die Art , wie es gemacht ist , schafft aus der realen Brücke ein fragiles Gebilde , eine Stimmung entsteht , senkrechte Linien tragen , aber nichts wirkt schwer an diesem Bild , allenfalls könnte ein Schuß Melancholie darin liegen , zugleich aber gelbe Hoffnung.

Das Bild daneben zeigt uns eine Form , die an ein Schiff erinnert , doch diese Form kann auch für sich allein bestehen , sie bildet ein massives Zentrum in einem ansonsten sehr komplexen Raum.

Auch hier wird eine Stimmung ausgelöst , auch hier ist die Stille , die Ruhe und Konzentration spürbar und eine Kraft , die sich auf den Betrachter überträgt.

Und das dritte Bild in dieser Reihe steht geradezu in stärkstem inneren Kontrast zum Brückenbild.

Das Filigrane ist hier stark verdichtet , die Farbverwendung ist erdiger , um so leuchtender das Gelb , auch hier ein Zeichen für Hoffnung.

Ein weiteres Motiv , die Figuration ist hier mit zwei schönen Beispielen vertreten, vorn im Gastraum sind es dunkle Gestalten , fast Schatten , die eine geheimnisvolle Versammlung bieten.

Doch erzählt die Künstlerin keine Geschichte , sie bleibt sich selbst  treu und verwendet die Versatzstücke von Wirklichkeit als Elemente ihrer Bildsprache , sie macht daraus ein spannendes Bild.

Und hier , neben der Tür eine weitere Umsetzung , eine einzelne Figur , unidentifizierbar und allein , die für Vieles stehen kann und doch einzig als Bild ohne abbildende Funktion wirkt.

Wie kommt man auf so was?

Die Künstlerin spricht von der Fotografie, von Nahaufnahmen , die einen Microkosmos zeigen , den wir unter der Oberfläche erst durch die Hervorhebung im gemalten Bild sehen können.

Ein besonders gutes Beispiel für diese Sicht sind die Linoldrucke im Regal.

Ich habe schon von der Wirkung als Serie gesprochen , betrachtet man nun die einzelnen Bilder , dann ist der Vergleich mit der fotografischen Nahaufnahme hilfreich.

Wir kennen alle solche Spuren und Linien , wie man sie als Kind in Tapetenmustern , auf beschlagenen Fensterscheiben oder im Schnee findet.

Auch die Farben , die das einzelne Bild prägen , finden wir in Ausschnitten der uns umgebenden Wirklichkeit und der Philosoph , der die Wirklichkeit nur als subjektiv erfaßbar kennt, kann den Eindruck den Sie als Betrachter haben als unmittelbar wirksam deuten.

Zur Technik dieser Arbeiten :Alle Arbeiten sind in Linoleum geschnitten, die Farben werden mit einem Rakel aufgetragen und müssen dann lange trocknen , bevor sie mit Firnis überzogen werden.Schließlich werden sie auf Holzkästen aufgezogen und noch einmal gefirnist. Diese Arbeiten sind alle in diesem Jahr entstanden und werden hier zum ersten Mal ausgestellt.

Ich möchte meine Betrachtungen nicht beenden , ohne wie eigentlich immer zu einem meiner Lieblingsphilosophen zu kommen.

Edmund Burke , der als einer der ersten und wichtigsten Autoren über Schönheit geschrieben hat , sagt ,dass nicht die Vollkommenheit die Ursache von Schönheit ist , sondern das Streben danach.Der Ursprung unserer Ideen vom Erhabenen und Schönen ist das Erkennen von Liebreiz und Unvollkommenheit derselben.

Viele Menschen leben ihr Leben , als ob es wirklich wäre und glauben an eine Schönheit , die in den Dingen zu liegen scheint , der Gedanke , dass der Schein und die Oberfläche ohne tiefere Bedeutung sein kann ist uns zunächst fremd.

Denkt man aber einmal darüber nach , kommt man zu dem Schluß , dass die Bedeutung , die wir den Dingen zusprechen , lediglich Umschreibungen der Sprache für etwas ist , was eigentlich unmittelbare Erfahrung und spontanes Empfinden ist.

Ich wünsche mir , dass Sie sich beim Betrachten der Bilder von dieser Unmittelbarkeit leiten lassen.Die Bilder wirken aus sich selbst und wenn Sie dieser Wirkung nachspüren , finden Sie einen Zugang , der wirklich etwas mit Ihnen selbst zu tun hat.

Ich bedanke mich für Ihre Geduld und wünsche Ihnen einen angenehmen Abend.