|
Axel Strothmann |
|
|
|
|
|
Der Betrachter sieht also einen Vorschlag des Malers, dem ein perfektes Konzept zu grunde liegt, das in der Anschauung rekonstruiert wird. inhaltlich sind einige der Bilder Veranschaulichung optischer und physikalischer Phänomene, andere sind an philosophischen fragen orientiert, die sich dem Betrachter unmittelbar nicht erschließen. Diese verdeckte Beziehung besteht zum Beispiel darin, dass die Stille, die in den Bildern spürbar empfunden wird, aus dem bild ein gegenüber macht, das fast schon als personale Gestalt erscheint, dies besonders dann, wenn man den Bildern, die in etwa menschliche Höhe und breite aufweisen, ganz nahe tritt. das optische Phänomen farbiger Nachbilder und unscharfer Formgrenzen entsteht, weil es unmöglich ist, das ganze bild zu betrachten, ohne von den Kontrasten der Farben, den fehlenden Fluchtpunkten und der zum teil irritierenden Geometrie beeinflusst zu werden. |
![]() |
|||
![]() |
|||
|
Darin liegt eine Absicht, die dem philosophischen Fragen zum Beispiel eines Ludwig Wittgenstein sehr nahe ist. Wittgenstein hat sprachliche Phänomene untersucht und dabei festgestellt, dass die unöglichkeit über manche dinge zu sprechen, uns schweigen lässt. In den Bildern wird untersucht, wieweit man Bildsprache so verrätseln kann, dass sie einerseits unmittelbar erfahren wird, andererseits diese Erfahrung sprachlos bleibt, es sei denn, man analysiert materiell, d.h. die Konzepte auf das sichtbare spiel von formen und Farben zu befragen. von den physikalischen Forschungsergebnissen sind die der Quantenforschung besonders spannend, zeigen sie uns doch, dass viele unserer alltagserfahrungen auf alten und zum teil überholten annahmen basieren. |
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||
|
Was hat es mit dem Titel "Konstruktive Bildkonzepte" auf sich? |
|
|
|
Konstruktive Malerei bildet zunächst einmal nur ab, was in den Malmitteln vorgegeben ist, also Farbe und Form. Sie schafft Bilder, die sich als Darstellung mit Modellcharakter versteht. Die Modelle sind dabei abstrakt und zumeist geometrisch. |
![]() |
|
Ihre Erarbeitung ist vergleichbar mit den Forschungen auf dem Gebiet der Mathematik und Physik, aber auch denen von Philosophie und Theologie. Gerade die Theologie scheint in der Geschichte eine der grundlegenden Wissenschaften zu sein, aus der heraus Menschen auf die Darstellung von Vorhandenem verzichten und sich einer Bildsprache zugewandt haben, die im Lauf der Zeit ein umfangreiches Material von Sätzen und Wendungen hervorgebracht haben, die Eingang gefunden haben in die Grafik, die Werbung und die Architektur. Konzepte sind solche Bilder, weil sie als ein Ergebnis planvoller und systematischer Beschäftigung entwickelt werden und in immer neuen Variationen die geradezu unerschöpfliche Vielfalt in der Auseinandersetzung mit Farben und Formen darstellen. |
![]() |
|||
![]() |
|||
|
|
![]() |
|||
![]() |
|||
|
|
|
|
Und wie wenig eine genaue Abstimmung über gleiche Farben besteht zeigt sich in diesen beiden Bildern am Rot und am Blau. Es sind ihrer Chemie nach identische Farben, jedoch von verschiedenen Herstellern. Montaigne besteht in seinen lesenswerten Essays auf der These, dass es nicht wirklich Gleiches gibt und ich kann ihm da aus Erfahrung zustimmen. Bilder, die Streifen zeigen, verwirren unser Empfinden, weil wir dazu neigen, die Dinge gerade zu rücken. Eine der ältesten Erfahrungen von Menschen ist die Empfindung der Senkrechten. |
|
|
||||||||||||||||||||
|
|
![]() |
|
Deshalb ein Wort zur Hängung. Die schmalen hohen Formate, eine Serie, die den Abmessungen der menschlichen Höhe und Breite entspricht, hängen so, dass sie uns wie ein Spiegel erscheinen, sie sind uns unmittelbares Gegenüber, wir stehen gleichberechtigt vor ihnen, auf Augenhöhe und wenn man dicht an sie herantritt, werden sie als Ganzes nicht faßbar, vergleichbar einer Person, die uns dicht gegenübersteht. Besonders das blau-rot-graue Bild wird so fast zu einer Figur, einer Gestalt, die wir als geometrisches Gegenstück zur menschlichen Morphologie erfassen können. |
|
|
|
Damit schließt sich der Kreis, denn die heutige konstruktive Malerei ist überall als Deko, wie heute so gern sagt zu finden, Stoffe, Tapeten, Möbel und ganze Häuser schöpfen aus dem Repertoire dieses Stils. Und das ist letzlich der Beleg dafür, das Konstruktive Bildkonzepte eine Art Grundlagenforschung für die ästhetische Wahrnehmung sind. |